Ich war in Alava, diesem kleinem Flecken Erde, wo die Sonne immer scheint und der Himmel sich wenig bewölkt. Ich stand einfach in der Landschaft herum und schaute mir die Herde von Schafen an. Witzige Tiere, niedlich und harmlos. Sie legen keine Menschen um, sie töten auch nicht ihre Artgenossen oder zerstören die Natur auf bestialische Weise, und ich glaube sie belügen sich auch nicht untereinander oder betrügen sich so sehr das einem der Sinn der Welt abhanden kommen kann. Nein, Schafe tun so etwas nicht. Sie blöken einfach nur mal so vor sich hin und fressen lieb ihr Grass. Ich fing an zu lächeln, als der Hirte, ein alter Mann mit gebücktem Kreuz, mir mit seinem Hirtenstab zu winkte. Ich lächelte einfach so in die Sonne hinein, glücklich über den Hirten, über seine naive Freundlichkeit, mich wahrzunehmen in seinem Leben obwohl er mich doch gar nicht kennt; ich war glücklich über die Natur und das saftige grün das uns Mutter Natur schenkt, ohne das Mutter Natur dafür Geld von uns Menschen verlangt oder sonst irgend ein Opfer, wie es Menschen ständig von ihrem Gegenüber verlangen.
Die Freundinn der Menschen, das Gott erschaffene Ding am blau schimmerndem Himmel strahlte ohne Radioaktivität einfach so zu uns Menschen herunter und umgab uns mit 22 Grad Celsius. Ich fühlte die Wärme des Lichts. „Wer liebt dich nicht, Sonne, wer in dieser Provinz ist nicht glücklich über dich..?“ Meine Gedanken sprachen Zufriedenheit und Genügsamkeit an. Alles was wir hier haben ist genug. Wir brauchen eure Atomreaktoren nicht, oder eure Technik, eure Vergötterung von Maschinen..wir brauchen Freundschaft und Gesundheit. Frieden und Ehrlichkeit..
..“Weist du überhaupt das Baskisch und Finnisch die ältesten Sprachen Europas sind? Hey, weist du das Überhaupt?“Vizkaya stubbste mich
mit ihrem Fuß an. Ich tat so als ob ich sie nicht hören würde, weil ich wusste das so eine Desinteresse Handlung sie immer so herrlich auf 180 bringen konnte. Und ehrlich gesagt, finde ich das sexy wenn sie gleich in den paar Sekunden des ignoriertwerdenswieder so ein Tobanfall bekommt, in dem sie mir die Zeitung aus der Hand reißt und mich einen arroganten Chauvinisten schimpft und sich dann aus gewinnsüchtigen Eigeninteressen den Pullover auszieht um ja Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Was ihr auch immer gelingt. Denn ihre Brüste sind famos.
Diesmal jedoch übertrieb sie als sie mir die Zeitung aus der Hand riss und mich einen Bourgeoisen Egoisten nannte. Das ging definitiv zu weit, also ignorierte ich sie noch mehr und strafte sie ab. So lange bis sie mir ihre..und da geschah es denn auch, sie schmieg sich an mich und flüsterte mir zu das sie meine Art des Ignorierens bescheuertfindet und das sie hofft das ich damit aufhören möge, denn die Ferien seien bald vorbei und mir solle doch klar werden, das dann jeder wieder in seinem Land, an seinem Arbeitsplatz, in seiner Welt mit seinen Leuten, sein wird und man sich doch für viele Monate nicht sehen wird. Ich nickte nur stumm. Grinste in mich hinein und hoffte das sie ihren BH auch noch fallen lassen würde. Aber sie war clever und wollte diesmal den Machtkampf zwischen uns gewinnen. Also wurde ich schwach: „Vizkaya, du bist das Niedlichste weibliche Wesen auf der Welt…“ weiter kam ich nicht denn ihre Lippen umschlossen die meinen. Ich war froh. Unser Spiel endete gut. Zwar nicht so spontan gierig wie sonst, aber immerhin spürte ich sie nach so langer zeit wieder von Innen. Diese verdammte Frau aus Bilbao. Diese verdammt glatten braunen perfekten Haare. Mit dieser roten Strähne, diese herrliche Stupsnase mit diesen tiefbraunen Augen, ihre Blicke sind immer voller Elan. Und das mit 35 abgewetzten Jahren. Wird sie wohl ihre Power mit der zeit verlieren? Wird sie heiraten? Wird sie Kinder bekommen, einen Sohn den sie liebt und eine Tochter die sie vergöttern wird? Wird sie mich dann nie wieder an ihren perfekten Körper lassen? Verdammt..ich bin süchtig nach ihr, werde es ihr aber niemals sagen. Nie. Auch nicht wenn ich 80 bin. Das Spiel soll sie nicht auch noch gewinnen. Nein. Bei Vizkaya klappt immer alles, ständig sprüht sie ihr Elan wie einen Duft um sich und Frauen und Männer sind gleichwohl von ihr begeistert. Nie höre ich jemanden über sie lästern. Gewiss, sie wird nicht von allen gemocht, aber dennoch findet nie jemand etwas an ihr das zu einem Streitthema werden könnte.
Während ich in Hamburg mit der Welt kämpfen muß…liegt ihr die Welt Spaniens und die Dörfer des Baskenlandes zu füßen.Aber diesen kleinen Autor wirst du nicht rumkriegen…jedenfalls werde ich mir nicht anmerken lassen wie geil ich nach ihr bin.
Das Küssen wird zu der üblichen Fummelarbeit der abstrakten Kunst, geht über in eine für mich Berauschende Droge und explodiert in irgendwelchen Bewusstseinszuständen, die mir verdeutlichen, das Vizkaya ein Drogencocktail ist an dem man nie satt werden wird.
Stunden später:
„wann geht dein Zug morgen?“
Gegen 5 uhr, kannst du mich fahren?
„klar, für meinen bescheuerten Freund aus Hamburg tue ich das gern..“
Ich setzte mich im Bett aufrecht und konterte mal wieder:
Und was tust du für die gut aussehenden Einheimischen Genossen? Und was für deinen französischen Freund?, und was für den Italiener letzten Sommer, als wir uns nicht sehen konnten?, und was tust du für den Reporter aus Malmö der dir immer noch ständig schreibt, was willst du von diesem blondem Hans, Schatz? Hey sag mal wann kommt er dich besuchen und wie liebt ihr euch?......Vizkaya..ich wünschte du würdest mich ernst nehmen und nicht als Sommerloch Fick behandeln, du kleine Schande.. ach scheiße...
Sie schwieg ernst. Dann auf einmal nach längerem zögern fing sie an zu kichern. Und zerrte die Bettdecke zur Seite um laut zu jubeln. Gewonnen, gewonnen, du hast dich versprochen du Idiot! Du hast dich in mich ver…“ AUF GAR KEINEN FALL..unbterbrach ich sie, innerlich schäumte ich vor Wut über meinen Patzer.“Bestimmt nicht Camarada -, pah, bin doch keiner von deinen…“
„Pass auf was du sagst“, drohte sie mir ernst, und fuchtelte dabei mit ihrem Busen vor meiner Nase. „Eben hätte ich dir eine gescheuert für deinen Monolog, stellst mich da als wenn ich eine Hure wäre, du Bourgeoiser Streithahn, aber dann macht der Streithahn einen Ausrutscher und schon fängt sich die Vizkaya wieder und erinnert sich an ihr Sozialpädagogenstudium. Und macht ihrem Hamburger möchte gern Verleger keinen Vorwurf mehr. Denn er ist ja nur eitel, ja eitel und VERLIEBT… ja VERLIEBT ist er..“ kreischend vor siegesbewußtsein warf sie in einer spontanen Attacke das Kissen in die Luft und durch einen Schlitz des Kissens regnete es echte Fasanen Federn im zimmer irgendwo im Baskenland, in irgendeinem Landhaus weit ab von der Scheiß Welt der Kohlestoffeinheiten, die umherirrten auf der Erde.
Mir bleibt über so viel Bloßstellung nur noch die Flucht, also springe ich nackt aus dem Bett und renne den Holzfußboden entlang, am Spiegel angekommen, schaue ich mich an und betrachte mir mein Gesicht. „Was mache ich da, wieso gewinnt das Weib ständig in unserem Machtspiel, verdammter Geschlechterkrieg…es hilft nichts, sie jubelt weiter und grölt mir nach, was für ein Feigling ich sei und wie sie das doch schon längst alles an meiner Nasenspitze hat erkennen können; sie ist noch nicht einmal bereit mir meinen Rückzug zu gönnen. Also resigniere ich und kehre zum Bett zurück. „OK Vizkaya the tight is turning - Liebe macht was sie will,..“
„Ach“, unterbricht sie mich „jetzt ist also die Liebe daran schuld, und nicht du selbst, was? Vielleicht hat dein Herz ja schuld oder dein Verstand, das sind ja von dir unabhängige Dinge, mann Indio, was glaubst du eigentlich wer du bist? Du bist einfach nur der Mann aus Hamburg, der 10 Jahre jünger aussieht als er ist, und der definitiv verrückt nach mir ist, so wie ich nach ihm, na ja bleiben wir ehrlich, so wie ich nach seinen Küssen verrückt bin, die ja nichts mit ihm persönlich zu tun haben, sondern völlig losgelöste Anteile von ihm sind…(sie kicherte,dann hämisches Grinsen,schließlich ihr lachen)!"
Vizkayas Monolog machte mich fertig. Das Schwache Geschlecht siegt auf allen Analytischen Ebenen. Diese Frau ist mein Verhängnis.
Warum muß ich morgen zurück nach Deutschland fahren? Sie wird mit anderen rumchecken und mich ad akta legen, bis zum Sommer 2009, dann darf ich für stolze 7 Tage dieses verdammte Nest besuchen und sie wie ein Hahn begeistern. Nur um wieder den Rest des Jahres in Sehnsucht nach ihr zu verbrennen…verdammte Scheiße..aber so ist das halt im Leben. Was man will das bekommt man nicht. Und was man nicht will, das liegt leblos in einem Bett und schmiegt sich Samstag morgen meist so gegen9 uhr 30 mechanisch und nach Maschinenöl riechend an einen. Irgendeine abgezogen.
Jetzt mal ehrlich: Andere Frauen sind nur Roboter für mich. Aber Vizkaya ist wie das Baskenland. Wie die Toskana. Wie Ko Samuhi in Thailand, wie das Taj Mahal in Indien…sie ist pure Natur…
Alles hätte so harmlos enden können, der Zug kommt pünktlich, von Bilbao der Flug nach Hamburgo dann 12 Monate schmachten und auf Vizkayas Gesicht warten. Bei Regen mit Freunden essen gehen und am Weekend irgendwelche weiblichen Konturen begatten, und immer an dieses Nest hier denken..wie ein (Alp)-Traum..
2.
Der alte Renault klapperte auf dem Sandweg und holperte über den Acker, als Vizkaya eine ihrer Abkürzungen über die Weide ohne Strasse fuhr. Heftig, die Sonne schien über das gesamte Sichtfeld der Autoscheibe. Gibt es hier nicht auch mal Regenschauer wie in meiner Heimatstadt, wo das Grau ein Bestandteil des Lebens ist, verflixtes Hamburg..
Was erwartet mich dort? Langeweile…plötzlich wurde ich aus meinem Gedankenspiel gerissen, etwas knallte auf unser Auto, ein Fahrrad lag plötzlich verrenkt auf unserer Kühlerhaube. Den dazugehörigen Menschen fanden wir am Boden liegend, sich den Kopf massieren. Ein Typ in unserem Alter, schwarze zerzauste Haare, 3 Tage Bart und in Jeans gekleidet mit einem grau verwaschenem T-shirt. Vizkaya plapperte erschrocken drauf los, in baskisch natürlich, was sich irgendwie wie Außerirdisch anhört. Klärte sehr schnell mit dem benommenem Fahrradfahrer alles, rieb ihm den blutenden Kopf, brachte ihn wieder zum Grinsen und hob ihn schließlich vom Boden auf und entschuldigte sich immer wieder bei ihm. Dann bot sie ihm tausend mal um Vergebung bittend an, ihn bis zur Hauptstrasse mitzunehmen. Wir packten sein kaputtes Fahrrad auf das Dach und wir fuhren los. Der Typ redete nicht viel, nickte immer nur zu und rieb sich den mit meinem Taschentuch den verletzten Kopf. Mich interessierte auch viel mehr sein T-Shirt welches ich mir im Rückspiegel genaustens anschaute. Fidel Castro mit einem Baseballschläger haut einen amerikanischen Ball retour nach Miami.
Darunter die halbverwaschene Inschrift: No Pasaran!
Cool, dachte ich. Der Typ gefällt mir. Leider spreche ich kein Wort Baskisch und die Unterhaltung ging eh von meiner Begleiterin aus.
Also schwieg ich und achtete auf die Mimik von dem Typen. Er schien seriös zu sein und grinste einmal, als Vizkaya wohl wieder einen ihrer Witze abließ. Vielleicht lästerte sie auch gerade über mich, über meine lächerlichen deutsch-indischen verhaltensweisen..wer weiß das schon was in dieser Frau und ihrem Temperament alles verborgen liegt. Meine Eifersucht ist Scheiße, aber leider kann kein mensch etwas gegen Paranoia und einem 6. Sinn tun. Beim nächsten Gedanken sah ich sie mit dem Typen im Bett und auf einmal schrie ich mitten im Auto laut auf: NEIN! Und beide schreckten hoch, während Vizkaya in die Bremsen vor angst getreten hatte und anfing mich auf baskisch zu verfluchen, nahm ich peinlich berührt die Hände vor den Mund.
Ich war nicht mehr normal. Gestern zum Beispiel bevor wir uns liebten, traf Vizkaya einen Nachbarn, einen Betont männlichen Mann auf ’nem Motorrad. Und ich hatte wieder einen dieser Tagträume in denen ich sie in seinen Armen sah und wie sie zu seufzen anfing als er sich in ihr bewegte…schrecklich,..es war schrecklich…ich finde das Verliebtsein hat auch etwas böses. Eine Form von Wahnsinn und Süße zugleich. Also kein wunder das alle die Sexualität vorziehen, während sie dieRomantik der Keuschheit als etwas langweiliges propagieren. Fuck the World. Denn Sex ist kompromisslos und willig. Billig und untreu und ständig fordernd. Während Verliebtsein alles auf eine Karte setzt, und man die Person mit der Sonne verwechselt. Sie scheint und strahlt zwar auch ständig, aber die Sonne ist echt hell, während wir alle etwas echt Dunkles Verborgenes in uns mit herum tragen. „Eigentlich gefällt mir die Freundinn meiner Frau, denkt er, und sie denkt: eigentlich ist der Fitnesslehrer geil, und so geht es dann tag für tag, bis zwei liebende das gesamte Sex-Programm einfach anhalten, und über das Limit schießen, indem sie sich ihre eigene Definition basteln. In der die Anderen keine Rolle mehr spielen, weil das scheinbar lüsterne Verlangen nach geilen Körpern in Ästhetik und Gefühl umgewandelt wurde. Und weil es ineinander gehört. Mindestens für 1 bis 2 Jahre und höchstens für 2 bis 3 Jahre. Dann müssen neue Impulse für unser Ego her. Fuck Ego! Und doch kennen wir alle unsere geheimen Wünsche nach dem Kick…. Ihr Bastarde!
Ja das alles wurde mir bewusst als Viskaya auf die Bremse drückte und ich in meinen Gedanken die Traumwelt mit der Echtzeit verwechselte. Ich jammerte. Wie dumm von mir. Es war der Ausdruck eines unausweilichen Seins, sie wird bald schon zu einem anderen Körper tanzen, man - finde dich damit zurecht, sagte ich mir selbst in Gedanken. Als es plötzlich zu einer heftigen Erschütterung im Auto kam.
Das aufgefahrene Auto das uns angefahren hatte, war ein Polizei Auto. Der Typ hinten im Wagen, den wir angefahren hatten,bekam sich nicht mehr ein. Der war auf einmal voll auf Speed. Fuchtelte mit den Armen und drehte sich zum Polizeiauto um, als wenn die ihn jetzt umbringen würden, brüllte hektisch wie von der Biene gestochen auf Viskaya ein. Rüttelte an ihrer Fahrerseite und fasste sich mit weit aufgerissenen Augen durch die Haare. Und das alles fast zeitgleich. Wie benommen von meinem Eifersuchts-Delirium bekam ich alles nur halb bewusst mit. Mich interessiert nur, wie Viskaya bei anderen Männern abgeht, hat sie dort mehr spaß? Rockt der Motorrad-Nachbar von gestern morgen ihr Becken wie eine Eins? Während alles um mich herum in heller Aufruhr war, ging ich etwas benommen meinen Gedanken nach. Bis der Typ mit Fidel auf dem T-Shirt anfing seine Faust zu ballen und sie mit seinem Kopf bearbeitete. Dann wurde auch ich etwas wacher-normal war sein Verhalten nicht.
Die beiden Polizeiwachmänner waren unterwegs zu uns. Neben unserem Auto, auf der Landstrasse rasten andere Autos im dichten Abstand vorbei. Plötzlich holte der Baske eine echte Knarre aus der Jeans und öffnete in geduckter Haltung die Wagen Tür. Schoß anvisiert beiden Polizisten in die Beine und knallte dann die Tür wieder zu. Schrie Viskaya und mich an und zielte dabei auf meine Nasenspitze. Er hatte eine echte Waffe in der Hand. Er hatte beiden Polizisten in die Beine geschossen und wir saßen mitten in der Scheiße. Jetzt, genau jetzt liebte ich Hamburg und wollte nur noch nach Hause. Zu meiner Stadt, die keine Waffen kennt und auch keinen Nationalen Konflikt. Aber Viskaya fuhr los und brüllte den Basken heftig an, obwohl der doch ne Knarre hatte, mir war voll ängstlich zumute, während er zurück brüllte und immer mit dieser scheiß Pistole rumfuchtelte. Die Polizisten am Boden liegend konnten ebenfalls ihre Waffen ziehen und schossen das verdammte Auto zusammen. Eine Kugel traf einen Rückspiegel, während eine andere das Rückfenster zerschlug und der Baske in Glas baden musste. Eine weitere Kugel traf tragischerweise Viskaya. So das sie einen grauenhaften Schmerzensschrei ausrief.
Doch alles ging blitzartig schnell. In ihrer Panik fuhr sie einfach weiter..weiter bis zu einem Feld weg und dann weiter einen Sandweg entlang, mit Tränen in den Augen. Mit einer Hand am Rücken, mit einem Blutfleck an der Taille. Mit traditionell Antifaschistischem baskischen Stolz, mit einer anderen Welt im Kopf, mit der Pflicht die ihr der Großpapa beigebracht hatte. Mit der gesamten Vergangenheit Spaniens im Rücken, in der Wunde am Körper, mit Francos Diktatur, mit dem Widerstand in der Diktatur und dem kurzen Sommer der Anarchie von 1936….die gesamte Geschichte ihres Landes, das Leben ihrer Eltern, das Leben ihres Großpapas, das ihres Bruders, der im Gefängnis saß wegen einer Batasuna Aktion die sie nie richtig verstand, wo ist das Problem wen er für Batasuna Werbung macht? All das saß nun in ihrem Rücken in dieser Kugel..
Nach weiteren 5 Kilometern gejammerter Momente, baskischem Terrorismus und einem Hauch von den Jahren der RAF bei uns in Deutschland des Jahres 1977, war ich der Überzeugung, das ich nun auch wieder aus diesem Traum aufwachen könnte. Es ist gut jetzt. Ich darf aufwachen. Doch ich wachte nicht auf..
Schließlich parkte Sie das Auto bei einer alten verloderten Finka, irgendwo auf einem Landabschnitt der mit Nirgendwo beschrieben werden konnte. Mein Zug düste gerade nach Bilbao ab und damit auch mein Flugzeug. Meine Zukunft verschob sich nicht linear, diesmal jedenfalls hatte das Chaosprinzip die Quantenfeldertheorie überzeugt…
3.
Es dauerte keine halbe Stunde, dann war das Haus umstellt. Die alte Bruchbude gehörte mal einem Weingutbesitzer, der für die trotzkistische Kommunistische Partei POUM 1938 sein Haus als Hauptsitz hergegeben hatte. Einfach so aus Überzeugung. Ich sagte in langsamen aber genervtem Ton zu dem Basken ohne Namen und zu Vizkaya gewand das uns das sicherlich auch nicht weiter helfen würde. Aber beide motivierte diese Tatsache. Wir saßen zusammengekaut im ersten Stock des Hauses in der Hocke auf dem alten Boden. Ich versorgte ihren Rücken, aber es war fürchterlich zu sehen wie ein Streifschuss 5 Zentimeter Haut aufreißen konnte. Als die Polizei Autos ihre Sirenenlichter gegen das Haus warfen, fühlte ich mich in 1000 Filme versetzt die ich mir im Leben im Fernsehen angesehen hatte. Dann ein Lautsprecher, der uns wahrscheinlich aufforderte mit gehobenen Händen aus dem Haus zu kommen. Verstand kein Wort. Meine beiden Begleiter schrieen irgendwas den Polizisten entgegen. Ich fand das eher dumm, weil ich leben wollte und nicht die 3 Mann Revolution ausrufen wollte. Also reichte es mir hier den Bandito zu spielen, ich kroch auf allen vieren geduckt zum Fenster und schrie aus dem offen stehendem Fenster :„Hallo Polizei,das ist alles ein Missverständnis, hören Sie, sprechen Sie Deutsch oder Englisch? Dieser terroristische John Wayne hat mich und meine Freundin in der Gewalt…“ ich konnte nicht weitersprechen, weil Vizkaya mir ein paar in die Fresse gab, so doll das ich für einige Sekunden nichts mehr wahrnehmen konnte. Dann sah ich sie mit bösem Gesicht vor mir. Schrecklich, verzerrte Schönheit wurde zu einem bösen Mädchen. Sie fauchte mich an was mir einfiel, und der Baske drohte damit mich zu erschießen,..worauf hin ich nur sagte: „Na toll jetzt bluten wir alle drei!“
Mann soviel Nationale Scheiße, ob links oder rechts, im Nationalismus gehen alle in die falsche Richtung. Nur die Anarchisten nicht, die kennen so einen National Stolz nicht. Die kennen nur das Internationale Menschengeschlecht. Aber ich wollte mich nicht schon wieder mit Vizkaya über Politik streiten. Also hielt ich die Klappe. Aber Angst hatte ich jetzt schon. Vor ihren Faustschlägen und der Polizei. Wenn die beiden Schwachköpfe sich 'ne Schießerei mit der Guardia Civil leisten, werde ich hier begraben, so viel ist sicher.
Nachdem ein Hubschrauber über das Dach wegfegte, bekam ich es immer mehr mit der Angst zu tun. Das lähmte mich jetzt ganz. Während Vizkaya und ihr hohler Zorro sich noch ein paar Wortgefechte mit der Polizei widmeten dachte ich an Amerika und an die Blackpowerbewegung. „VIZKAYA“, schrie ich entsetzt, „der Hubschrauber…wir werden alle sterben, hörst du Schatz, wir werden einfach sterben, und dann ist nix mehr mit Familie gründen und glücklich werden…“ - im Gesicht war ich blass wie eine Leiche vor Schreck, sie funkelte mich unsicher aus dem Augenwinkel an, dann versuchte sie mich zu beruhigen, aber sie konnte es nicht, zu viel wusste ich über Polizeivorgehensweisen, Geheimdienste und Skrupellosigkeit. „VIZKAYA, sie haben einfach aus dem Hubschrauber eine Bombe in einem Wohnblock abgelassen, obwohl der US-Polizei bewusst war das dort Kinder mit ihren Eltern lebten. Sie haben die MOVE-Bewegung von Mumia Abu Jamal einfach kalt gemacht, mit allen Konsequenzen…“
Vizkaya überlegte kurz bevor sie sich mit dem Basken unterhielt. Der wiederum nickte mir zu und antwortete in einem ganz schlechtem Englisch:“ Aleman, du weißt darüber bescheid? Das war doch irgendwann in den 80er Jahre in Philadelphia..?“ Ich sagte ihm das ich bei meinen Recherchen über so einige undemokratische Dinge gestolpert bin: “in meiner Heimatstadt ´haben Polizisten einem Reporter aus der Linken Szene mal in aller Öffentlichkeit den Fuß umgedreht..wenn die falschen Menschen Macht haben halten die sich an keine Grundsätze.
„Vizkaya mein Herz, laß uns gehen…“ fast weinend vor Traurigkeit bat ich sie um eine wichtige Entscheidung. Sie berieten sich hinter dem Wandschrank im dunklen Raum. Dann sagte Sie zu mir: „Wir haben entschieden, es ist richtig, du hast recht, die Konsequenz kann für alle hier der Tod bedeuten. Es ist besser du gehst…“ Dann wurde geschwiegen. Ich stand im dunklen Raum einer alten Finka, wo der Fußboden bei jedem Schritt von Blaulicht aufflackerte.
Dann unterbrach ein Handy klingeln die Stille. Vizkaya erschrack, nahm dann wortlos ab und lauschte dem Anrufer. „Was, wo seid ihr vor dem Haus?“ Geduckt schaute sie aus dem Fenster: Tatsächlich, das regionale Fernsehteam, wo sie vor Jahren als Assistenz gearbeitet hatte war erschienen, wollte eine Story für ihren Sender haben. Nach dem Anruf war Vizkaya wie ausgewechselt. Freudig plapperte sie mit Gui so der Name unseres ETA-Zorro. Er klopfte ihr lediglich auf die Schulter und mich überkammen schon wieder diese Eifersucht -'ne Szene in Gedanken, in der er seine Hand an ihr herab zum Po bewegte und ihn massierte….ich schob beide auseinander und unterbrach das gefummel. „Hey Hey, noch bin ich hier und nicht in Hamburg, ihr beiden ETA-Verrückten“, sagte ich ernst und besitzergreifend wie aus der Pistole geschossen..“ plötzlich rief die Polizei ihre letzte Warnung durch ein Megafon, soviel verstand ich-denn die Gesichtszüge meiner beiden Freunde veränderten sich.
Die Polizei setzte uns ein Ultimatum von 5 Minuten bis zur Erstürmung des Hauses.. Die Presse hatte ihren Abendknüller. Irgendwo auf dem Lande in Alava sitzen 3 ETA Terroristen gefangen in der Finka des alten POUM Antifaschisten…
„Wir haben der Polizei gesagt das du unabsichtlich in diese Sache gerutscht bist, gehe nun sie schießen nicht auf dich..wir müssen hier bleiben, denn dank der Presse haben wir die Öffentlichkeit als Schutzfaktor..“ –ich schüttelte mit dem Kopf.„Nein Vizkaya, das ist zu gefährlich, laß Gui alleine hier, er kämpft tapfer bis zum letzten Mann für die Sache der Baskischen Unabhängigkeit, komm mit mir sonst stirbst du oder gehst für 10 Jahre in den Bau, denk an die beiden Polizisten die Gui schwer verletzt hat.“
„Er hat nur auf die Beine geschossen, wir sind keine Mörder, wir sind Unabhängigkeitskämpfer…“ „Ich bitte dich, sagte ich so ernst ich konnte….die ETA nietet ständig Politiker um- sei doch nicht so naiv! Doch sie schüttelte nur den Kopf, also drehte ich mich zu Gui um der uns beide gespannt zu sah. Blaues und rotes Sirenen Licht schimmerte an der Wand des Raumes und erhellte unsere Debatte in der Ungewissheit des Abends. „Noch 2 Minuten!“ schrie die Guardia Civil von unten. Ich zuckte zusammen: “Gui, sag doch was …?“ Gui schüttelte schüchtern den Kopf, „das muß Sie selbst wissen, las ihr die Entscheidung..“ Ich war außer mir vor Wut. „Mehr sagst du nicht? Lässt diese Frau einen fremden Typen einfach so mir nichts dir nichts ins Auto…moment mal! Fuck , ihr kennt euch, verdammte Scheiße ihr kennt euch!.. du hast mir nicht über alle politischen Aktivitäten erzählt Vizkaya, du bist Mitglied der ETA?!“
Sie atmete aus und nickte dann:“eher Sympathisantin.“
Gui hielt meine Schultern fest und flüsterte: “Amigo, es ist besser das du gehst, vielleicht schaffen wir es durch den Keller heimlich zu entkommen, wir haben keine zeit mehr, gehe Amigo ehe es zu spät ist…“
„Aber die liebe zu Vizkaya und die Aussicht auf weitere Jahre meine 7 Tage des Glücks im Jahr wollte ich nicht sterben sehen. Hatte aber verdammt Schiss. Also rief ich panisch, unüberlegt : Verdammt noch mal ich will meine 7 Tage Glück im Jahr nicht aufgeben müssen, nur weil eine ETA das Morden an Sozialdemokraten rechtfertigt, weil sie die Scheiß Differenzierung nicht hinbekommen wo ein gerechter Kampf wie ihn Fidel Castro oder die EZLN geführt hat richtig ist und wo das Morden a la Roten Terror Brigaden in Italien die einen moderaten Christdemokraten unmenschlich hingerichtet hatten, falsch ist.
Hirnamputierte Linke, wann wachst du auf und wann lernt ihr das Differenzieren? Es ist besser einen Abschiebe-Knast komplett in Weiterstadt in die Luft zu jagen, als irgend einem Menschen das Leben zu nehmen! Überlasst das dem Revolutionärem Prozess im Klassenkampf!
Und jetzt verehrter Gui wirst du mir nicht meine Vizkaya nehmen, das bisschen Glück das ich einmal im Jahr habe, wirst du mir nicht nehmen, hörst du…!“Vizkaya schrie entsetzt auf: „ Hör auf, verdammt noch mal!, hör auf, ich liebe dich nicht so wie du glaubst..!“
Und stille trat ein. Guis Augen funkelten und er wand sich mit der Rechtfertigung seiner letzten ETA Jahre von mir ab: „Das verstehst du nicht…“ grummelte er. „Doch flüsterte ich gebrochen,“ sichtlich im Herzen getroffen über die Warheit die Vizkaya gerade ausgesprochen hatte, dieser Schmerz brachte meinen Zorn zum siede Punkt und ich konnte nur noch flüstern: „..sogar besser als die ETA!.. Gui, strirb nicht als Held im Kugelhagel der Gurdia Civil, lebe und baue eine Massenbasis mit der BATASUNA auf demokratischen Wege auf, ihr habt mindestens 20 % der Bevölkerung des Baskenlandes hinter euch…“
“Hör nicht auf den indo-germanen, der ist halber Inder, und glaubt an die Weltkommune der Werktätigen nach seines Vaters in Indien mit Mahatma Gandhi als Befreier..lächerlich.“ Ich griff Vizkaya bei der linken Schulter und drückte etwas heftiger als sonst, ernst sagte ich:“ Schweig Satan..“ dann wand ich mich Guis zweifelnden Gedanken wieder zu: “Amigo y Companero, mit der Bevölkerung im Rücken kannst du einen Massenstreik anzetteln, das Kapitalistische-Ausbeuter-System viel härter treffen als mit deinem Sinnlosem Tot. Bedenke Gui, die Massen der Batasuna können eurem Streikaufruf folgen, Sinn Fein wird sich für euch im EU-Rat einsetzen und wenn nicht habt ihr immer noch das Recht auf Sachschaden a la Weiterstadt. Das Recht zu fordern, durch die Kunst, die Literatur, durch eigene Filme und Radiosendungen etc. denke doch nach Mann, jeder Mensch ist eine Welt und keine Welt darf eine andere zerstören, sei sie förderlich oder verhasst!“
Vizkaya fing an zu weinen vor Verzweiflung:der bevorstehender Angriff der Polizei, oder meine Worte führten dazu das sie nachdachte-mit der Gewalt an Menschen falsch zu liegen… ich wusste das ich hier zwei Seltsame Mensch neben mir sitzen hatte, die keine entmenschte Personen waren, also reagierte ich folgerichtig und trat ohne Rücksprache an das offene Fenster, wurde von einem hellen Lichtkegel geblendet und rief in diesen Lichtkegel:“ Es ist gut, wir kommen gemeinsam raus…!“